Meilensteine
Die kleine Laterne
… und immer wieder:
Neues vom Kirchturmbau!
Dieses an Höhepunkten reiche Jahr für die Kirchgemeinde Neschwitz, fügte am 19. und 20. Oktober 2009 neue Kapitel hinzu.
Der 19. Oktober begann wie die Tage zuvor, kalt und nass, aber dann drehte das Wetter, die Sonne kam hervor und spiegelte sich im gleißenden Gold von Kirchturmkugel, Wetterfahne und Stern der Kirche zu Neschwitz. Was nicht für möglich gehalten wurde – an diesem 19. Oktober war es so weit: die restaurierte Kugel, die neue Wetterfahne mit Stern wurden aufgesetzt. Es wurde auch höchste Zeit, denn nur noch eine Nacht blieb die fertige obere Laterne am Platz ihrer Erbauung – dann sollte sie auch empor schweben, zum krönenden Abschluss der wiedererstandenen barocken Kirchturmhaube der Kirche zu Neschwitz!
Zuvor aber ein feierlicher Augenblick für die Gemeinde, denn der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Herr Schneider und die Pfarrerin, Frau Aechtner befüllten 2 Kapseln, welche im Turmknauf die Zeiten bis zur nächsten Öffnung überstehen sollen. Die erste Kapsel nahm die Originaldokumente wieder auf, sie hatten Krieg und Zerstörung überlebt. Der Inhalt der Zweiten soll unseren Nachfahren etwas von unserer Zeit erzählen, vor allem von der Geschichte der Wiederherstellung des Kirchturmes! Kann man dieses Ereignis, welches durch den Posaunenchor seinen würdigen Rahmen erhielt, noch überbieten?
Man kann! Denn bereits am nächsten Morgen versammelten sich wieder viele Gemeindeglieder und Interessierte um die Neschwitzer Kirche. Wieder wollte die Sonne nichts verpassen und tauchte alles in freundliche Helligkeit. Majestätisch schwebte der letzte Teil der Kirchturmkuppel am Arm moderner Technik ihrer Bestimmung entgegen: Hier ist ein Haus Gottes, Mittelpunkt einer Gemeinde, weithin sichtbares Zeichen für Neschwitz. Diese Kriegswunde wurde geschlossen, dank dem Engagement vieler Christen und Nichtchristen, Seite an Seite für dieses Ziel! In den Beifall für die Bauarbeiter flossen viele Emotionen mit ein: Dankbarkeit für das gelungene Werk, für einen Bau ohne ganz schwere Unfälle, für das gute Miteinander aller Beteiligten.
Das Geläut der Kirche war eine würdige Umrahmung dieses Bauhöhepunktes. An dieser Stelle sei Herrn Sachße gedankt, der in der Bauzeit immer wieder dafür sorgte, dass die Stimme der Kirche Neschwitz zu vernehmen war. Möge der Segen Gottes bis zur feierlichen Einweihung weiterhin den Bau begleiten, ohne IHN geht nichts!
P.S. Bereits eine Stunde nach dem Aufsetzen der Turmspitze hatte sich die Sonne wieder in Wolken gehüllt.
Regine Viehrig
Im Namen des Kirchenvorstandes
Große Haube
Die große Haube!
Vor einiger Zeit hätte ich an eine Großmutter gedacht, die am Ofen sitzt und Märchen erzählt oder den Kindern Geschichten aus der Bibel vorliest, wenn es um eine große Haube geht. Doch heut ging es um etwas anderes. Wir konnten die große Haube des Kirchturms als ersten Teil an ihren endgültigen Platz auf dem Turmstumpf setzen. Als ich am Morgen den Losungstext für den 03.09.2009 las, wurde mir ganz eigen zumute, denn da stand geschrieben:
Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will. (Psalm 115, 3)
ER hat es geschafft und geschaffen. ER hat uns den Mut, die Kraft, die Ausdauer und Bereitschaft geschenkt. ER hat mit seinem heiligen Geist bei allen Beteiligten gewirkt, ER hat geschafft, dass wir alle gemeinsam dieses Märchen verwirklichen konnten. Das hat sich nicht zuletzt in dem großen Engagement und dem Rückhalt in der Bevölkerung gezeigt. Wie sonst wäre das Interesse an diesem Ereignis zu erklären? Für uns alle ist das ein unwiederbringlicher Moment, ein schon historisches Ereignis der Heimatgeschichte. Was wir heut sehen und erleben konnten, wird uns in Erinnerung bleiben. Die Kleinen konnten Ortsgeschichte pur während des Sachunterrichts erleben. Viele aus dem Ort und der Umgebung haben sich das Anheben der Haube auch nicht entgehen lassen. An jeder Ecke, aus den Dachfenstern von ganz nah und auch von weitem wurde festgehalten, was uns durch den Psalm zugesprochen wurde. Es ist aber noch nicht zu Ende, noch nicht ganz geschafft. Es geht weiter und wir vertrauen weiter auf Gott und seine Schaffenskraft, denn er kann SCHAFFEN was ER will.
Eröffnung der praktischen Bauphase
Pfingstgottesdienst am 31.05.2009 zur feierlichen Eröffnung der praktischen Bauphase des Kirchturms Neschwitz
Feierliche Eröffnung der praktischen Bauphase der Neschwitzer Kirchturmhaube
Am 31.05.2009, anlässlich des Festgottesdienstes zu Pfingsten, wurde feierlich die praktische Bauphase für den Wiederaufbau der Neschwitzer Kirchturmhaube eingeleitet. Denn nun geht es richtig los. Schon in den nächsten Tagen wird die komplette Baustelleineinrichtung sowie die Sicherung der Glocken für die Zeit der Bautätigkeiten erfolgen.
In den vergangenen Monaten und Jahren hat der Förderverein Kirchturm Neschwitz viele Spender und Sponsoren erreicht, und bis zum jetzigen Zeitpunkt über 191.000,00 € zusammengetragen. Dieser Eigenanteil und die ebenfalls zugesicherten Fördermittel und Baukostenzuschüsse genügen, um mit dem Bau beginnen zu können. Natürlich sind weitere Spenden jederzeit willkommen, denn jeder Bauherr weiß, dass schnell unvorhergesehene Kosten auftreten können.
In seiner Ansprache erinnerte Herr Wirth als Vorsitzender des Fördervereinvorstandes an die wechselvolle Geschichte unserer Kirche und ihres Turmes.
Schon mit der Entscheidung zum Bau dieses Kirchturms im 17. Jahrhundert waren große Anstrengungen unternommen worden. Im Jahr 1693 war das Vorhaben schließlich verwirklicht und allein aus Kirchenmitteln finanziert worden. So jedenfalls belegen es die sichergestellten Dokumente des Kirchturmknaufs. Weithin sollte der evangelische Glaube nach Ende des 30-jährigen Krieges sichtbar gemacht werden, als „Wehr des Papstes Lehr“, als evangelische Markierung im katholischen Gebiet. Die Spitze des Turms krönte damals ein Stern, möglicherweise ein Symbol für den Morgenstern. Mit der Machtergreifung Hitlers 1933, griffen der nationalsozialistische Geist und menschenverachtende Ideologien um sich. Diese Welle der Gewalt und Zerstörung erreichte beim Zurückfluten in den letzten Kriegstagen auch Neschwitz. Am 26.April 1945 brannten die Kirche und der Turm bis auf die Grundmauern nieder. Der Wunsch und Wille der Kirchgemeinde, zusammen mit dem Beistand Gottes, ermöglichten die Wiedererrichtung des Kirchenschiffs. Schon 1947 konnte Richtfest gefeiert werden. Die Einweihung der wieder aufgebauten Kirche erfolgte am 25. Mai 1951. Seit dieser Zeit trägt der Turmstumpf ein provisorisches Notdach.
Nur der großen Spender- und Förderergemeinde ist es zu verdanken, dass dieses Notdach nun bald nicht mehr benötigt wird und die barocke Kirchturmhaube in ihrer Schönheit wieder weithin sichtbar sein wird. Wir tun das Notwendige, damit dieses Vorhaben auch verwirklicht werden kann. Jedoch liegt das Gelingen in Gottes Hand. So schließen wir alle, die am Wiederaufbau mitarbeiten in unsere Gebete ein, mögen sie vor Schaden und Unfall behütet sein. Und so Gott will, werden wir noch in diesem Jahr die neu errichtete Kirchturmhaube einweihen können.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde zum Kirchenkaffee eingeladen. Von diesem Angebot wurde rege gebrauch gemacht. Es gab die Möglichkeit sich über die Planungen zu informieren, durch den Architekten Herrn Schönbrodt-Rühl die Modelle erläutern zu lassen oder sich mit anderen darüber auszutauschen.
Ausschreibung
Am 04.05.09 erfolgte die Angebotseröffnung für das Los 3 und am 14.05.09 die Eröffnung der Angebote für die Lose 1, 2, 4 und 5.
Los 1: Gerüstbauarbeiten
Zuschlagserteilung an: Gerüstbau Oberland GbR
Los 2: Baumeisterarbeiten
Zuschlagserteilung an: Baugeschäft Timm GmbH
Los 3: Holzbauarbeiten
Zuschlagserteilung an: Fa. Siegert, Herrnhut
Los 4: Klempnerarbeiten
Zuschlagserteilung an: Bedachungen, Bauklempnerei Ludwig Winter
Los 5: Anstricharbeiten
Zuschlagserteilung an: Rentsch & Weinrich GmbH
Die Angebote wurden entsprechend der gesetzlichen Vorgaben abgegeben und geprüft. Die unabhängige Vergabeentscheidung erfolgte durch den Kirchenvorstand Neschwitz am 08.05.09 und 21.05.09.
Eine Kirchturmhaube
Ein Meisterstück der sächsischen barocken Architektur von schlanker formvollendeter Struktur / ist einst die Neschwitzer Kirchturmhaube gewesen, / so kann man es in alten Schriften lesen.
1693 wurde die kunstvolle Haube errichtet, / für viele Hundert Taler, so wird berichtet, / nun ward sie als markanter Turm weithin bekannt mit einer der schönsten Kirche im Lausitzer Land.
Unbeschädigt überstand das Bauwerk die Zeit / bis 1945 Neschwitz des Krieges Schicksal ereilt. / Ort und Kirche wurden in Brand geschossen / und die prachtvolle Haube ist zu Schrott zerflossen.
Ein neues Gotteshaus auf alten Mauern entstand / das im Innern Altes mit Neuem verband, / doch der Turm blieb unvollendet über Jahrzehnte steh’n / und ward nur mit einer schlichten Abdeckung verseh’n.
Der Zeitenlauf brachte die politische Wende, / ein atheistischer Staat, der ging zu Ende. / Auch für Neschwitz ergaben sich neue Perspektiven, / die Bürger nach einer neuen Kirchturmhaube riefen.
Dafür wurden zahlreiche Benefizkonzerte gegeben, /
Sponsoren ließen den Kontostand anheben, / auch Fördermittelanträge wurden gestellt / und brachten in die Kasse viel Geld.
Um das Ziel in naher Zukunft zu vollenden / bedarf es noch viel Arbeit sowie weiterer Spenden, / damit für die Bürger der Traum in Erfüllung geht / und die prächtige Haube wieder auf dem Turme steht.
Möge bald der Chronist für die Nachwelt berichten: / für viele Tausend Euro wurde sie neu errichtet, / die neue kupferne Kirchturmhaube unseres Heimatortes / zum Ansehen der Gemeinde, zu Ehre Gottes.(gekürzte Fassung)
Zur Ehre Gottes, so wie in den vorstehenden Zeilen geschrieben, so wollen wir es halten und tatkäftig voranschreiten, um unseren schönen Kirchturm wieder aufzubauen, dass der gelebte Glaube wieder weithin sichtbar werden soll.
Wie schon Herr Schneider als Kirchenvorstandsvorsitzender zur Jahreshauptversammlung des Kirchturmfördervereins bemerkte, hat der Kirchenvorstand leider für Sie eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst:
Zu Pfingsten läuten die Glocken der Kirche Neschwitz für längere Zeit das letzte mal. Unser Geläut wird schweigen und das hat seinen guten Grund. Die Gute Nachricht ist: Nach Pfingsten beginnt die Wiedererrichtung der Kirchturmhaube! Der Kirchenvorstand, als Bauherr, hätte nicht gedacht, dass unser Vorhaben zum Wiederaufbau der barocken Kirchturmhaube so rasch umgesetzt werden kann. Wir möchten uns ganz herzlich beim Förderverein Kirchturm Neschwitz für die bisher geleistete Arbeit bedanken. Nur durch die unermüdliche Arbeit des Vereins, und aller Förderer und Spender kann das Vorhaben für eine neue Kirchturmhaube nun umgesetzt werden. Natürlich kann das beträchtliche Finanzvolumen dadurch nicht allein gedeckt werden. Durch das Kreisentwicklungsamt, die Landeskirche und die Gemeinde Neschwitz wurden ebenfalls finanzielle Unterstützungen fest zugesagt. Die für den Bau geplanten Mittel sind nun gesichert, damit kann die Arbeit beginnen. Allerdings sind wir auf Ihre weitere Unterstützung angewiesen, da wir mit unvorhergesehenen und damit zusätzlichen Arbeiten rechnen müssen. Mit der Gnade und Hilfe unseres Gottes wollen wir es schaffen noch vor dem Winter die Glocken unter der wiedererrichteten Turmhaube erklingen zu lassen. Bitte schließen Sie dieses Vorhaben und sein Gelingen in Ihre Gebete mit ein.
Kirchenvorstand Neschwitz

