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Grusswort an die Gemeinde und ihre Gäste

IM BLICK APRIL 2018

Liebe Gemeinde,

Und wenn morgen die Welt untergeht, will ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Oft wurde dieser Satz Martin Luther zugeschrieben. Aber das scheint ein Irrtum zu sein. Jedenfalls ist er in den vielen gesammelten Werken und Schriften von Luther noch nirgends entdeckt worden. Passen würde diese Aussage trotzdem gut zu Martin Luther. Er hat in den bewegten Zeiten, in denen er lebte, wohl manchmal befürchtet, dass unsere Welt nicht zu retten ist. Grausame Kriege wirkten auf viele Menschen damals wie deutliche Hinweise auf den nahenden Weltuntergang. Auch heute macht sich unter den Menschen manchmal Weltuntergangsstimmung breit. Es wird viel gejammert und geklagt. Und nicht wenige Menschen leiden unter dem Gefühl, dass alles nur noch schlechter wird. Andere versuchen immer wieder Zeichen gegen Resignation zu setzen.
Am 11. März haben unsere diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden gemeinsam einen Baum gepflanzt. Es ist kein Apfelbaum, sondern eine Eiche. Sie wächst jetzt auf unserem Neschwitzer Friedhof in der Dorfmitte. Verschiedene Menschen unserer Gemeinde haben in der letzten Zeit Geld gespendet, damit auf den Friedhöfen in Saritsch und in Neschwitz Bäume gepflanzt werden können. Unter diesen jungen aber vor allem unter alten Bäumen auf unseren Friedhöfen soll es nun möglich sein, dass Menschen ihre letzte Ruhe finden können. Eine schlichte Steinplatte mit dem Namen und den Lebensdaten der Verstorbenen soll daran erinnern, hier wurde ein Mensch, bzw. die Urne eines Menschen begraben, der zu uns gehörte.
Die Lebensumstände der Menschen haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert. Für viele Familien ist es schwierig, eine Grabpflege auf viele Jahre hin abzusichern. Deshalb gibt es bei uns schon seit längerer Zeit die Möglichkeit, Angehörige in Urnengemeinschaftsanlagen bestatten zu lassen. Ein Friedhofsmitarbeiter kümmert sich um Grabgestaltung und -pflege. Ab April dieses Jahres wird es nun in Saritsch und in Neschwitz möglich sein, eine Grabstelle unter einem Baum zu lösen. Die Größe unseres Neschwitzer Friedhofs macht es möglich, eine weitere Variante anzubieten. Unter einem bestimmten Baum kann man im Zusammenhang mit der Bestattung einer Urne eine zweite Stelle reservieren lassen.
Viele Menschen schätzen den Friedhof mitten im Dorf. Sie besuchen ihn gern als Ort der Erinnerung und des Trostes. Hier kann man anderen begegnen und miteinander reden. Ich finde es gut, dass unsere Verstorbenen nicht irgendwo außerhalb und weit weg ihre letzte Ruhe finden. Der Friedhof kann uns alle immer wieder daran erinnern, dass unser Leben begrenzt ist. Eines Tages werden wir alle sterben, die eine vielleicht ganz plötzlich und viel zu früh. Ein anderer geht langsam und sehr mühsam von dieser Welt. Ein Psalmbeter sagt: Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Psalm 90,12) Klug werden heißt, unser Leben wohl überlegt zu gestalten und Entscheidungen zu treffen, die uns später nicht leidtun müssen. So ist der Friedhof in Wohnortnähe eine gute Möglichkeit im Alltag immer wieder einmal still zu werden und sich zu besinnen.
Ein Trend unserer Zeit scheint es zu sein, den Tod auszublenden. Menschen streuen die Asche ihrer Angehörigen ins Meer oder tragen die Urnen irgendwo in einen Wald. An manchen Orten gibt es auch namenlose Urnengemeinschaftsanlagen – umgangssprachlich „grüne Wiese“ genannt. Die meisten Leute, die sich für solch eine Bestattung entscheiden, wollen nach dem Tod einfach niemanden mit der Grabpflege belasten. Später fehlt den Familien dann manchmal ein Ort, an dem sie trauern und gedenken können. Denn gerade, wenn man selber alt und vielleicht gebrechlich wird, ist es hilfreich, wenn die Gräber unserer Lieben gut erreichbar sind.
Unsere Konfirmanden haben einen Baum gepflanzt und damit ein Zeichen der Hoffnung gesetzt. Wenn's gut geht, steht dieser Baum noch, wenn wir alle längst gestorben sind. Dann werden unsere Nachkommen vielleicht dankbar feststellen, da gab es verantwortungsvolle Menschen, die haben nicht nur für sich selbst gesorgt, sondern vorausschauend gehandelt. Mich freut dieser Gedanke.

Ich grüße Sie herzlich Ihre Pfarrerin
Susanne Aechtner